SmartAgents

Ein Agentensystem zur Modellierung redaktioneller Arbeitsteilung im Dokumentarfilmprozess.

SmartAgents bildet die Rollen einer Doku-Redaktion in einem System spezialisierter KI-Agenten ab — Trendscouting, Themenrecherche, Stoffentwicklung, Zielgruppenanalyse, redaktionelle Bewertung. Das System ergänzt menschliche Redaktionsarbeit und macht Prozesse explizit, die in einer Doku-Redaktion täglich anfallen.

Funktionsweise

Das System arbeitet auf Python-Basis und ist sowohl online als auch lokal einsetzbar. Es kann an unterschiedliche redaktionelle Kontexte angepasst werden — von Wissens- und Geschichtsformaten über Aktuelles bis zu plattformspezifischen Kurzformaten. Optionale Module erweitern den Funktionsumfang je nach Anwendungsfall.

Drei Anwendungsbereiche stehen im Vordergrund:

  • Trendscouting. Das System wertet Onlinequellen aus — Social-Media-Plattformen, Foren, Nachrichtenseiten, Blogs — und identifiziert Themen und Fragen, die in der öffentlichen Debatte Bewegung gewinnen. Der Fokus liegt auf dem europäischen Sprachraum: Das System erfasst Diskussionen sprachübergreifend und erkennt, welche Fragen europäische Öffentlichkeiten bewegen — unabhängig davon, in welcher Sprache sie geführt werden.
  • Stoff- und Formatentwicklung. Spezialisierte Agenten prüfen Themenvorschläge auf Anschlussfähigkeit an Wissens- und Doku-Formate, gleichen sie mit einer Datenbank vergangener Produktionen ab und schätzen Potenziale und Risiken ein.
  • Zielgruppenanalyse. Optionale Agenten bilden die Eigenschaften unterschiedlicher Zielgruppen ab — Interessen, Bildungsniveau, Sehgewohnheiten — und liefern frühe Rückkopplung zur Format-Resonanz.

Die Agenten arbeiten nicht nur mit ihrem internen Wissen. Sie greifen über definierte Schnittstellen auf externe Quellen zu — Tiefenrecherche mit Quellennachweis, Faktenverifikation, fachspezifische Datenbanken — und liefern ihre Ergebnisse in redaktionellen Standardformaten: strukturierte Themenvorschläge, FreeMind-Mindmaps für die Story-Architektur, Word-Ablaufpläne mit Timecode- und Sendetext-Spalte.

Ablaufschema der SmartAgents

Beispieloutput

Im Oktober 2025 wurde das System im Rahmen eines Redaktionstests bei der Münchner Produktionsfirma Bilderfest eingesetzt. Das Datum des Tests war der 6. Oktober 2025 — der Tag, an dem in Frankreich die Regierung stürzte, die Nobelpreise für Medizin bekanntgegeben wurden und der Münchner Flughafen durch Drohnensichtungen blockiert war.

Aus dem Social-Listening-Durchlauf dieses Tages entstanden unter anderem folgende Themenvorschläge:

  • Warum scheitern Demokratien? Was die Politikwissenschaft über den Kollaps von Regierungen weiß
  • KI im Krieg: Wer entscheidet über Leben und Tod?
  • Grundeinkommen in Europa: Stand der Debatte und offene Fragen
  • Die Vertrauenskrise in sozialen Medien: Ursachen und Gegenmodelle
  • Warum der Nobelpreis die Wahrnehmung von Wissenschaft verzerrt

Die Vorschläge werden vom System mit Quellenbelegen, Formateinschätzungen und Zielgruppenhinweisen übergeben.

Kontext

Redaktionen arbeiten unter Druck und in kleinen Teams mit einer hohen Schlagzahl an Themen.

Hier setzen KI-Agentensysteme an. Sie wirken als Multiplikator, überall dort, wo Aufgaben verteilt bearbeitet werden müssen, wo große Wissenskontexte zu überblicken sind, oder wo eine Frage aus mehreren Perspektiven gleichzeitig zu beleuchten ist. Das deckt nahezu jeden redaktionellen Arbeitsablauf ab.

SmartAgents bildet diese Anforderungen in einer virtuellen Redaktion ab. Jeder Agent hat ein eigenes Profil, eine eigene Rolle, einen eigenen Werkzeugkasten. Die Besetzung lässt sich an die jeweilige Redaktion anpassen — was hier folgt, ist eine repräsentative Auswahl.

  • Robin sichtet kontinuierlich Onlinequellen — Social-Media-Plattformen, Foren, Nachrichtenseiten, Blogs — und filtert Themen heraus, die in der öffentlichen Debatte Bewegung gewinnen.
  • Archimedes recherchiert tief. Er prüft Quellen, verifiziert Fakten, ordnet ein. Wenn ein Thema steht, weiß er, woher es kommt und wer es schon erzählt hat.
  • Maya prüft Faktentreue und Erzählbarkeit. Sie hat Erfahrung mit Primetime-Dokus und bleibt kompromisslos bei der Wahrheit.
  • Leo denkt in Bildern. Er prüft, ob ein Stoff visuelle Hooks hat, Schauplätze, Protagonisten, dramaturgische Wendepunkte — alles, was darüber entscheidet, ob aus einem Thema ein Film wird.
  • Iris prüft den Markt. Wer hat das Thema schon gemacht — bei welchem Sender, in welcher Form, mit welchem Erfolg? Wo ist die Lücke, wo ist der eigene Winkel? Ohne ihre Antwort geht kein Konzept in die nächste Runde.
  • Pierre bringt die europäische Perspektive für deutsch-französische Projekte ein. Seine Leitfrage zu jeder Idee, die zu deutsch gedacht ist: „Et pour la France?“ Er sichert das Gleichgewicht zwischen nationalen Blickwinkeln.
  • Camille prüft kulturelle Anschlussfähigkeit. Braucht man Vorwissen, um das zu verstehen? Ist das Thema ein Massenphänomen oder eine Nische? Bei ihren Kriterien gibt es kein Verhandeln.
  • Juri ist der Advocatus Diaboli. Er ist zuerst dagegen, immer. Aber er begründet jede Skepsis und schärft Konzepte, indem er ihnen gegenredet.
  • Noa denkt plattform-nativ. Sie prüft, ob ein Stoff auch jüngere Zuschauer erreicht — auf YouTube, TikTok, Instagram. Was in der Primetime trägt, scheitert dort oft, und umgekehrt. Sie kennt beide Seiten.
  • Mara und Konrad leiten die virtuelle Redaktion. Sie orchestrieren die Abläufe, sichten die Diskussionen, prüfen die Vorschläge, fassen zusammen. Sie können ein Thema auch stoppen, wenn es nicht passt.

Die Agenten arbeiten parallel, diskutieren ihre Befunde untereinander, übergeben am Ende strukturierte Ergebnisse an die menschliche Redaktion. Sie helfen kleineren Teams, große Arbeitslasten vorzubereiten und zu bewältigen.

Aktuelle Version:

Zugang zur Testversion auf Anfrage über mail@pajarito.ai

Über

Sebastian Scherrer, geboren 1980, ist Autor, Regisseur und Redakteur für Geschichts- und Wissenschaftsformate. Studium der Geschichte, Historischen Anthropologie und Kognitionswissenschaft in Freiburg und an der Wesleyan University (USA, Fulbright-Stipendiat). Diplom in Regie an der Filmakademie Baden-Württemberg. Filmographie und Lebenslauf: www.sebastianscherrer.de